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Ein Mädchen, ein Roller & die Welt. Auf der Suche nach einem besseren Lebensstil.

Es scheint, als würden sich von Rollern vor allem Rebellen angezogen fühlen – Menschen, die mit Konventionen brechen und die Grenzen des Vorstellbaren überschreiten. Nach dem Team Kick Italy ist es das zierliche Mädchen Blandine, die durch ihr Nomadentum unsere Vorstellungen vom zufriedenen Leben in Zweifel zieht.

Der Weg zum persönlichen Glück und allgemeinen Wohlergehen

La Trottineuse

Schöne Fotos und mehr. Das finden Sie auf der Webseite La Trottineuse

„Ethik ist keine exakte Wissenschaft (sie beschäftigt sich nicht mit abstrakten Konstruktionen), sie betrifft das alltägliche Leben, unsere Beziehungen zu anderen Menschen, Tieren, Dingen und der Umwelt. Auf diesen Seiten teile ich Erkenntnisse mit, die ich aufgrund eigener Beobachtung und Erfahrungen in der realen Welt gewonnen habe. Sie betreffen die Form der Ernährung und weitere große Probleme unserer Zeit, wie die Frage nach Wachstum und Verbrauch, unsere Beziehung zu Technik und Arbeit, das Bedürfnis nach Respekt und Schutz gegenüber der Vielzahl von Lebensformen und Lebenswelten oder anderen sozioökonomischen Modellen und der Entdeckung anderer Lebensweisen.

 Blandine ist auf der Suche nach persönlichem Glück zur Botschafterin des langsamen und verantwortungsvollen Reisens (slowtravell)geworden. Sie bewegt sich mit eigener Kraft und alles, was sie besitzt, findet im Gepäckträger des Rollers Platz. Auf eigene Haut will sie erfahren, ob die Welt wirklich so ist, wie man sie aus den Medien kennt, was wir wirklich brauchen, um zufrieden zu sein und was nur zur Erhaltung der Konsumgesellschaft dient.

Blandines Nomadentum ist eine Form des Aktivismus, der andere Existenzformen ausloten will als die durch den Konsum diktierte Beschleunigung oder den Nihilismus (eine allgemein ablehnende Haltung zu gesellschaftlichen Werten).  Ihre Reisetage verlaufen in einem natürlichen Rhythmus, der auf Einfachheit basiert: zwei Räder, ein Rahmen, ein Körper, Bewegung, Begegnungen, Überraschungen, Schutzräume, Feuer, Himmel, Auf- und Untergang der Sonne. „Der Mensch muss nicht viel haben, um viel zu sehen. Subtrahieren Sie Gramm, um Kilometer addieren zu können,“ schreibt Blandinde in ihrem Blog.

Ein mutiger Schritt oder wie alles begann

Astronomie, Philosophie, Psychoanalyse, Sprachwissenschaft...

“Als kleines Kind hatte ich viele Bücher über Sterne, Galaxien und das Universum. Später tauchte ich in die Philosophie ein, beschäftigte mich mit großen Fragen, Konzepten und der Entwicklung des menschlichen Denkens. Außerdem hat mich die Psychoanalyse und die Geschichte der menschlichen Psyché fasziniert sowie die Frage, warum sich die Menschen so benehmen, wie sie es tun. Die Sprachwissenschaft enthüllte mir die Geheimnisse und Formen der menschlichen Kommunikation und des symbolischen Verstehens der Welt. Zu einer gewissen Zeit dachte ich, dass ich Schriftstellerin werde, die alles in einem schöpferischen Prozess miteinander vereint.” Dies hat Blandine letztendlich geschafft, in ihrem Blog finden Sie Überlegungen zur Ethik und weiteren großen Fragen aus der Sicht einer modernen Nomadin.

Als Blandine klein war, träumte sie von einer Karriere als Astronautin, später begann sie sich für Philosophie und weitere Wissenschaften zu interessieren, durch die sie hoffte, die Welt um sich herum zu verstehen. Und da ihr die Konsequenzen menschlichen Handelns nie gleichgültig waren, entsagte sie bald dem Fleischessen, dem eigenen Auto und kurz darauf auch anderen Errungenschaften der modernen Zeit.

Im November 2015, im Alter von 32 Jahren, hat sie die Arbeit als freie Grafikdesignerin an den Nagel gehängt, die Mietwohnung aufgegeben und einen Roller gekauft, den sie irgendwo gesehen hatte, sowie ein Zelt, einen Schlafsack, einen Campingkocher. Und sie brach mit 2000 Euro in der Tasche auf, um auf eigene Faust nach einem glücklicheren Leben zu suchen.

Mit einem minimalen Budget und ohne weitere Einkünfte durchquerte sie 27 europäische Länder. Während sie selbst wild campte, verdiente sie unterwegs das Geld für das Nötigste.

Nach der einjährigen Reise hatte sie 22000 km auf dem Tacho. Doch etwa im letzten Viertel ihrer Europareise – noch bevor sie den nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes, das Nordkap, erreicht hatte – entschied sie, dass die Europatour nur das erste Kapitel einer Weltreise sein sollte – einer Reise zu einem besseren Leben und vielleicht einer etwas besseren Welt.

Gruß aus Kirgisistan

Wir treffen Blandine in Kirgisistan, in der Stadt Osch, wo sie, nunmehr seit einem Jahr unterwegs, (zum 2. Mal ist sie am 6. Februar 2017 aus ihrem Heimatort in der Normandie aufgebrochen) auf das chinesische Visum wartet. Sie hat bereits 34 872 km türkischer Steppe, heißer iranischer Bergwüste, die verschneite Autobahn M41 im Pamir(der zweithöchste Straße der Welt) hinter sich und vor sich die gefürchtete Wüste  Taklamakan, die als Meer des Todes bezeichnet wird, weil zahllose Tiere und Pilger für immer in ihren Wanderdünen verschwunden sind.

Obgleich es üblich ist, nach dem Vorbild der alten Karawanen die Wüste an der nördlichen oder südlichen Grenze zu überqueren, werde ich sie quer durchfahren und dies im tiefsten Winter tun.” teilte Blandine ihren besorgten Followern auf Facebook mit.

Mit dem Roller Yedoo Dragstr durch die Wüste

Warum ein Roller der tschechischen Marke Yedoo?

Bei der Überquerung der Tschechischen Republik in Begleitung von ca. 25 begeisterten Rollerfahrern vor ein paar Monaten hat Blandine gesehen, dass Tschechien ein Land mit einer langen Tradition im Rollerfahren ist.

Für Blandine ist aber klar: Damit sie auf den schwierigen Wegen des Orients beweglicher bleibt, hat sie sich für den leichteren Roller  YedooDragstr entschieden, der über Raeder 20“/20“ verfügt, statt des ursprünglichen KickbikeCruise Max 26“/20“.

Von dem kleineren Roller verspricht sich Blandine eine größere Wendigkeit auf dem Weg, ein geringeres Gewicht und einen noch größeren  Minimalismus. “Der Dragstr hat mich angenehm überrascht, ich war nicht an ein so langes und enges Trittbrett gewöhnt, mir gefiel die Bandbreite an Stehpositionen, die dank dessen möglich sind. Obgleich ich weiß, dass er kaum 2 Kilo weniger wiegt, hat mich seine Leichtigkeit angenehm überrascht.

Tuning  für Blandine

Bevor wir den Roller YedooDragstr per Eilzustellung nach Kirgisistan schickten, hatten wir ihn an extreme Bedingungen angepasst. Wir haben den Unterbau fester gemacht, damit das Gepäck auf dem Träger hält, den wir auf  dem Hinterrad angebracht hatten.  Wir haben einen weiteren Halter für Wasserflaschen, einen Ständer und Schutzbleche angebracht, die für die Fahrt im Staub, Sand, Wasser und weiteren schwierigen Bedingungen optimiert sind. Wir haben das Standardbremsseil für ein rostfreies mit Teflonoberfläche ausgetauscht und alle Verbindungen durch rostfreie ersetzt. Die Räder wurden mit den Reifen SchwalbeCrazy BOB ausgestattet, die mit 4 - 7 Bar einen großen Druckumfang haben und daher an verschiedene Typen von Oberflächen angepasst werden können. Und zur Sicherheit haben wir diese Reifen mit einem Dichtungsgel gegen Reifenschäden geschützt.

Seine Wendigkeit ist ausgezeichnet, auf dem hiesigen Basar habe ich mich zwischen den Menschen durchgedrängt und es war so einfach, dass ich völlig vergessen habe, dass ich auf einem Tretroller stehe. Der Dragstr passt perfekt in die hiesigen schmalen Straßen und scharfen Kurven“.

Damit der Dragstr  noch besser in die hiesige Umgebung passt, “näht” Blandine einen neuen Mantel für ihn - in der Farbe von Leder, Sand oder Kamelhaar. Auf den Rahmen und das Schutzblech hat sie Szenen ihrer Reise gezeichnet.

Die schwerste Prüfung - die verschneite Autobahn in Pamir

Die Autobahn von Pamir

Die Autobahn M41, bekannter unter dem Namen Pamir-Autobahn, führt quer durch das Pamir-Gebirge. Der höchste Punkt liegt im Sattel  Ak-Bajtal  in einer Höhe von  4 655 m über dem Meer.  Die Straße ist meist unbefestigt, stark beschädigt durch Erdbeben, Erosionen und Erdrutsche.

Eine Gelegenheit, ihre Grenzen auszutesten, hatte Blandine auf dem Weg durch Pamir. Sie stand unter Zeitdruck. Die Zeit, in der die Autobahn auf dem Roller noch befahrbar war, ging schnell zu Ende. Der Weg war schon verschneit, stellenweise auch vereist, die Temperaturen sanken bis – 30°C und Blandine hatte keine ausreichende Ausrüstung. “Mir fehlte vor allem ein Schlafsack für niedrige Temperaturen und gute Thermosflaschen, die Flüssigkeiten vor dem Zufrieren geschützt hätten. Aber trotzdem wollte ich es versuchen - durch diese Herausforderungen konnte ich feststellen, was ich aushalten kann und wie anpassungsfähig ich bin.

Je näher ich am tadschikischen Plateau war, desto kälter wurde es.  Nachts konnte ich wegen der Kälte nicht schlafen, ich musste die Nächte überstehen, wie es nur ging. Regelmäßig habe ich die Beine geschüttelt, um etwas Wärme zu erzeugen, und habe gewartet, bis die Sonne aufgeht. Ich habe nur gefrorenes Brot, Käse und Datteln gegessen und nur wenig getrunken, da durch ich durch das Erwärmen des Wassers zu viel Energie verloren habe. Außerdem fiel mir in so großer Höhe das Atmen schwer, die kleinste Bewegung war anstrengend. 

Ich habe aber völlig surreale Orte entdeckt - als ob ich auf einem anderen Planeten gelandet wäre. Landschaft und Atmosphäre waren so einzigartig, dass ich es wieder tun würde - trotz der extremen Bedingungen.

Ich glaube, ich habe nur deshalb nicht aufgegeben (obwohl ich es oft in Erwägung zog), weil ich immer, als ich am Ende meiner physischen und psychischen Kräfte war, jemanden traf (einen Menschen, aber vielleicht auch nur ein Tier), etwas ausruhen konnte bei jemandem im Warmen, oder mir jemand Tee anbot. Das half mir, wieder aufs Trittbrett zu steigen. Ich bedauere nur, dass ich das Angebot angenommen habe, auf einem Lastwagen mitzufahren, in einem Moment, als vor mir eine 3 bis 5-tägige Reise durch einen öden, verlassenen Landstrich lag. Ich war aber dehydriert und durch die Müdigkeit abgestumpft. Schade, dass ich nicht die ganze Strecke allein gefahren bin.“ schrieb uns Blandine.

Neben den extremen Bedingungen muss Blandine auch mit gelegentlichen sexuellen Belästigungen fertig werden. „Man muss sich wappnen, muss sich an die Muster der männlichen Vorherrschaft anpassen, die, wie ich festgestellt habe, universell sind,“ kommentiert Blandine ihre Schwierigkeiten.

Ich genieße die Einsamkeit

Dennoch reist Blandine gern allein. „Es ist für mich die natürlichste Sache – ich liebe es. Ich war immer eine Einzelgängerin und genieße die Einsamkeit. In Gesellschaft anderer Menschen nehme ich eher eine Beobachterrolle ein.

Allein zu reisen ist ganz anders, als in der Gruppe zu reisen, insbesondere in fremden und unbekannten Regionen der Welt, wo der Mensch eine gewisse Kraft aufwenden muss, um sich mit den Einheimischen zu verständigen. Ich glaube, der Mensch, der allein reist, ist offener gegenüber den Begegnungen und Erlebnissen, die das fremde Umfeld mit sich bringt.

Darin bin ich anderer Meinung als viele Reisende. Insbesondere Landsleute, die ich treffe, gehen wie selbstverständlich davon aus, dass wir zusammen weiterreisen und sind sehr überrascht festzustellen, dass ich andere Pläne habe.

Ich bin keine Freundin des Massentourismus, der quasi ein Konsumieren der Welt ist – ein Flugzeug besteigen, in ein fernes Land fliegen, eine Portion Exotik mitnehmen, schnell zurückfliegen und in die Arbeit zurückkehren, die wahrscheinlich auf der Ausbeutung von Menschen und Ressourcen des Landes basiert, das sie gerade besucht haben.“

Warum sich das langsame Reisen lohnt:

Finanzierung der Reise:

Blandine begann mit 2000 gesparten Euro, die bis Norwegen reichten. Ab diesem Zeitpunkt kann ihre Reise nur dank der Beiträge von Menschen aus der ganzen Welt weitergehen.“Zum Leben reicht mir wenig, und im Austausch teile ich meine Erfahrungen mit, die ich unterwegs mache. Ich hoffe, ein wenig zum allgemeineren Bewusstsein dessen beizutragen, wie wir diesen Planeten bewohnen, wohin uns die Zivilisation und die Massenproduktion führt. Ich glaube, wir müssen uns bewusst sein, wie Geld und Waren im globalen Maßstab zirkulieren. Die Finanzierung durch Spenden ist auch so ein Versuch, andere Formen der Zirkulation zu erschaffen, welche die gängigen Kapitalflüsse durchbrechen können.“

„Ich beobachte gern die Veränderungen der Umgebung und der Kulturen, durch die ich mit einem natürlichen Tempo reise. Ich freue mich über die Augenblicke, wo ich mir keine Sorgen um die Zeit machen muss, keine Visa besorgen muss oder vor potentiell gefährlichen Menschen Angst haben muss.

Ich liebe die Momente, in denen ich einfach die Verbindung mit der unberührten Natur erleben kann – ob in der Wüste, im tiefen Wald, in verlassenen Steppen, arktischen Tundren oder hohen Bergen. Das sind Augenblicke großer Genugtuung, in denen mein Glück direkt fassbar wird. Einige Erlebnisse leuchten in meiner Seele so hell wie Diamanten.“

Diskussion

  • Peter Lames  |  21. 5. 2018

    Amazing, amazing ! Wahnsinn , liebe Grüsse an Blandine und herzlichen Glückwunsch zum Yedoo Dragstr. Habe sie schon auf ihrer HP verfolgt, auch schon e-mail-Kontakt gehabt. Bis dann LG aus Salmtal, Peter " Molle"

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